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Jugend: Chancen, Risiken und Potenziale

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Publié le jeudi 15 juillet 2010

Was heißt es, heute Jugendlicher in Luxemburg zu sein? Detaillierte Antworten auf diese Frage liefert der „Nationale Bericht zur Situation der Jugend in Luxemburg“, den das Familien- und Integrationsministerium gemeinsam mit Forschern der Universität Luxemburg am 14. Juli der Öffentlichkeit präsentiert hat.

Der Jugendbericht geht zurück auf Artikel 15 (1) des Jugendgesetzes vom 4. Juli 2008. Der Bericht beinhaltet sowohl eine wissenschaftliche Analyse und Beschreibung der Situation der Jugend in Luxemburg wie auch eine diesbezügliche Stellungnahme der Regierung. Im Anschluss an die Publikation des Berichtes wird das Familien- und Integrationsministerium, gemäß Artikel 15 (2) des Jugendgesetzes, in Zusammenarbeit mit den Vertretern sowohl der betroffenen Ministerien wie auch der Zivilgesellschaft einen Aktionsplan für die Jugend erarbeiten. Der vorliegende Bericht stellt demnach auch ein wissenschaftliches Fundament für den Aktionsplan dar.

Der Jugendbericht wurde im Rahmen eines Kooperationsabkommens des Familien- und Integrationsministeriums mit der Universität Luxemburg beschlossen und von einer Forschergruppe des Jugendforschungsinstituts CESIJE unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Helmut Willems von der Forschungseinheit INSIDE an der Universität Luxemburg durchgeführt. Die Forschergruppe hat eine Vielzahl von Publikationen, Forschungsberichten, Datenbanken und Statistiken ausgewertet und die Ergebnisse zu einem differenzierten Bild der Lebenssituation der Jugendlichen in Luxemburg zusammengestellt. Von großer Bedeutung war dabei die Partizipation der verschiedenen Fachleute aus der Praxis, deren Erfahrungen, Kompetenzen und Wissen systematisch in den Bericht mit eingeflossen sind.

Mit dem 400 Seiten umfassenden Bericht wird erstmals eine umfassende Analyse und Beschreibung zentraler Aspekte der Lebenssituation der in Luxemburg lebenden Jugendlichen vorgelegt. Er behandelt verschiedene Aspekte der Jugend wie: schulische und außerschulische Bildungswelten; die schwierigen Übergänge in Beschäftigung; die Probleme der Integration von Migrantenjugendlichen; Armut und Armutsrisiko von Kindern und Jugendlichen; Gesundheit und Wohlbefinden sowie Partizipation und freiwilliges Engagement. Dabei wird neben den spezifischen Risiken und Problemen, denen sich die junge Generation heute gegenübergestellt sieht, der Blick auch auf die vielfältigen Chancen und Potenziale der Jugend gerichtet.

Die Autoren weisen unter anderem auf die ungleichen Bildungschancen im Luxemburger Schulsystem hin und zeigen auf, dass Bildungsbeteiligung und Bildungserfolge besonders stark von der sozialen Herkunft der Kinder und Jugendlichen mitbestimmt sind. Männliche Jugendliche und sozial schwächer gestellte Jugendliche (oft auch aus Migrantenfamilien) gehören besonders häufig zur Gruppe der Bildungsverlierer und sind auch mit größeren Unsicherheiten und Risiken beim Übergang in den Beruf konfrontiert. Dies drückt sich insbesondere in einer auch im internationalen Vergleich hohen Jugendarbeitslosigkeit aus.

In Ihrer Stellungnahme hält die Regierung fest dass, obwohl einem Großteil der Jugendlichen in Luxemburg die Integration in die Gesellschaft gelingt, es auch klar Gruppen gibt die nur schwierig ihren Platz in der luxemburgischen Gesellschaft finden, vor allem Jugendliche deren Familien nach Luxemburg immigriert sind und Jugendliche aus sozial schwachen Familien. Quer durch alle thematischen Kapitel des Berichtes wird dieses Phänomen sichtbar und die Regierung wird in ihrem Aktionsplan auf diese von Exklusion gefährdeten Jugendlichen eingehen. Der Bericht und die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigen auch dass nicht unbedingt mehr Aktionen und Programme angeboten werden müssen, sondern eine bessere Vernetzung der bestehenden Angebote, auf nationalem wie auch auf lokalem Niveau, erreicht werden muss. Der Jugendbericht unterstreicht die wichtige Rolle des familiären Umfeldes für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Somit muss Jugendpolitik auch immer Familienpolitik sein und früh mit familienunterstützenden und präventiven Maßnahmen ansetzen. Die Beteiligung von Jugendlichen an der Formulierung und Umsetzung von Jugendpolitik hat und wird weiter eine zentrale Rolle spielen. Schlußendlich wird Jugendpolitik noch stärker auf ihre Wirksamkeit hin geprüft werden. In Zusammenarbeit mit der Universität Luxemburg gilt es hier Modelle zu entwickeln.

Der vorliegende Bericht richtet sich primär an die Entscheidungsträger und Fachleute in der Politik sowie in den verschiedenen jugendrelevanten Arbeitsfeldern. Er stellt insbesondere die Herausforderungen durch ungleiche Bildungschancen und durch eine unvollständige Integration junger Migrantinnen und Migranten hervor, betont aber auch die großen partizipatorischen Potenziale innerhalb der jungen Generation, die für die Stärkung von sozialer Kohäsion und demokratischer Identifikation genutzt werden können.

Der Bericht wird als Buchpublikation im September dieses Jahres erscheinen.

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„Rapport national sur la situation de la jeunesse au Luxembourg/Nationaler Bericht zur Situation der Jugend in Luxemburg”. Editeur : Ministère de la Famille et de l’Intégration,
Luxembourg, 2010; Tirage: 500 exemplaires. ISBN : 978-2-87994-027-4

Weitere Informationen unter http://www.mfi.public.lu/publications

Kontakt:
Universität Luxemburg:
Prof. Dr. Helmut Willems, E-Mail: helmut.willems@uni.lu, Tel. +352 46 66 44 9379

Ministère de la Famille et de l’Intégration
Ralph Schroeder, E-Mail : ralph.schroeder@fm.etat.lu Tel. +352 247-86595

Communiqué par l’Université du Luxembourg et le Ministère de la Famille et de l’Intégration

Photo: Prof. Dr. Helmut Willems / UL