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Diachrone Interkulturalität (Dia In)

Projektleiter: Georg Mein
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Eva Wiegmann

Das Projekt ‚Diachrone Interkulturalität‘ intendiert eine Erweiterung der bislang weitgehend  gegenwartszentrierten Interkulturalitätsforschung, und zwar einerseits durch eine Historisierung des Forschungsfeldes, andererseits durch die Berücksichtigung des Umstandes, dass Kulturen nicht nur in einer synchronen, sondern auch in einer diachronen Beziehung zueinander stehen können.
Interkulturelle Beziehungskonstellationen von zeitübergreifendem Charakter sind im Umfeld der sog. ‚Epochenschwellen‘ (Blumenberg) um 1800 und um 1900 besonders relevant, an denen sich Traditionsbrüche abzeichnen und kulturelle Neuverortungen notwendig erscheinen. Während sich die sozio-kulturellen Wandlungsprozesse dieser Zeiträume vom öffentlichen Bewusstsein überwiegend unbemerkt vollziehen,  spiegelt sich in der Literatur streckenweise ein feines Sensorium für die kaum merkliche Zeitenwende. Erkenntnisleitend ist bei der Untersuchung diachroner Interkulturalitätskonstellationen in der Literatur entsprechend die Frage nach der Rolle, die der Kombination von historischen und interkulturellen Aspekten im Kontext des jeweiligen kulturellen Paradigmenwechsels und seiner intellektuellen Herausforderungen zukommt. 
Analysiert werden in diesem Projekt deutschsprachige Texte aus der Zeit um 1800 und um 1900, in denen zeitliche und kulturelle Differenzbestimmungen in Form geschichtlichen Fremdkulturen eine zentrale Rolle spielen. Dabei liegt der Fokus auf literarischen und literaturphilosophischen Texten, die die klassische Opposition von Synchronie und Diachronie textinhärent zu überwinden und durch interkulturelle Konstellationen dem Denken neue Möglichkeitshorizonte zu erschließen suchen. Grundlegend ist dabei die Annahme, dass kultureller Diversität ein prinzipielles Innovations- und Entwicklungspotential zugrunde liegt, welches gezielt für kulturelle und ästhetische Neuerungen produktiv gemacht werden kann. Damit erreicht das Projekt nicht nur eine Historisierung der interkulturellen Literaturwissenschaft, sondern auch ihre stärkere Anbindung an ästhetische und genuin literaturwissenschaftliche Fragestellungen.

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