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ForschungÜberblick / KonferenzenAn dieser Stelle möchten wir Ihnen einen Überblick über kommende Konferenzen und laufende Forschungsprojekte, die vom FNR gefördert werden, geben. Um zu den einzelnen Projektbeschreibungen zu kommen, nutzen Sie bitte die Navigation auf der linken Seite. Informationen zu vergangenen Veranstaltungen und Konferenzen finden Sie in unserem Archiv . 6.- 8. Mai 2010: "Ich habe dich beim Namen gerufen" Metaphern der Welt- und Selbstreferenz (Luxemburg, Campus Limpertsberg)Veranstalter: Prof. Dr. Georg Mein und Dr. Stefan Börnchen in Kooperation mit Dr. Martin Roussel (Universität zu Köln)Tagungsprogramm: Flyer_Beim_Namen_gerufen_Verteiler.pdf 5.-7. November 2009: "Die Zivilisation des Interpreten" (Luxemburg, Campus Limpertsberg)Veranstalter: Prof. Dr. Georg Mein in Kooperation mit Prof. Dr. Manfred Schneider (Ruhr-Universität Bochum)Tagungsprogramm: Auf welche Weise richtet sich der abendländische Mensch seinen Lebensgrund ein? Wozu dienen die Embleme, die Bilder und Spiegel der Kunst? Was verhüllen, was enthüllen sie? In seinem Essay La Fabrique de l'homme occidental verdeutlicht der französische Rechtshistoriker und Psychoanalytiker Pierre Legendre anhand von René Magrittes bekanntem Bild La Lunette díapproche , was hinter den Emblemen, Bildern und Spiegeln liegt: eine Leere, das Nichts, der Abgrund der menschlichen Existenz. Kultur, so die zentrale These von Legendre, ist eine spezifische Form des Wissens, das es erlaubt, diesen Abgrund zu bewohnen: "L'image, c'est le dogme", formuliert Legendre bündig. Denn es genügt nicht, Menschenfleisch herzustellen - "der Mensch braucht einen Grund zu leben." Demzufolge muss jede Gesellschaft, die ihre Funktion für die Subjekte erfüllen will, - "faire naître l'animal parlant, le faire vivre et l'accompagner jusque dans sa mort" - sich auf eine transzendente, nicht weiter hinterfragbare Macht beziehen. Legendre zufolge beruht jede Kultur auf einer grundlegenden Differenz: Stets ist der normativen Ebene konkreter Gesetze und Maßnahmen eine weitere, mythologische Ebene vorgelagert, die eine spezifische Antwort auf die Frage “Pourquoi des lois?” sinnfällig macht. Keine Gesellschaft lässt sich ohne Rituale, ohne Musik, ohne Liturgie regieren. Wo es menschliche Gesellschaft gibt, so Legendre, “wird eine Macht über das Unsagbare eingesetzt.” Und jede Kultur muss Formen und Techniken der Inszenierung dieser großen Nostalgie entwickeln, dem Umgang mit dem Trost. Diese grundlegende Zweiteilung macht aus jeder konkreten Kultur ein Netz bzw. ein (unregelmäßiges) Gewebe aus Verweisungs-, Durchdringungs-, Ein- und Ausschließungsverhältnissen. Dies verleiht der Tätigkeit des Interpreten einen zentralen Stellenwert. Neben dem ihm zur Verfügung stehenden Wissen handhabt der Interpret dabei, explizit oder implizit, immer ein Äquivalent von Verbot oder Tabu - um zu verhindern, dass der Unterschied der beiden Ebenen ausgelöscht wird und die Kultur sich um ihre subjektivierenden Wirkungen bringt, die sie gerade diesem Unterschied und seiner kasuistischen Realisierung verdankt. Die Tätigkeit des Interpreten scheint derzeit notwendiger denn je. Folgt man der Diagnose Legendres, so ist die okzidentale Kultur der Gegenwart mit dem Risiko des Irreparablen konfrontiert. Die unheilvolle Allianz von Technik-Wissenschaft-Wirtschaft droht die grundlegende Zweiteilung der Kultur aufzuheben und damit eben die Dimension zu zerstören, die das humanisierte Subjekt erhält: Die aufgelöste Zivilisation verabschiedet ihre Tabus. Doch allen Glücksversprechen der Globalisierung und des neoliberalistisch entfesselten Managements zum Trotz regt sich Widerstand. Der von der Propaganda gefesselte, von der Wirtschaft berechnete und von der Wissenschaft in Stücke geschnittene Mensch bleibt, wie Shakespeare es formuliert hat, The Thing I Am - und dieses “Ding, das ich bin” ist nicht globalisierbar. Die Tagung widmet sich diesem Fragenkomplex, der gleichermaßen das Zentrum von Legendres dogmatischer Anthropologie ausmacht. Prozesse der (De-)Subjektivierung, der (Des-)Instituierung, sowie der De- und Remontage normativer Strukturen sollen in der Perspektive Legendres ins Auge gefasst werden. Auf diese Weise werden gemeinsame Bezüge von Kultur-, Literatur-, und Medienwissenschaften, Kunst-, Rechts- und Religionsgeschichte, Philosophie, Geschichte und Anthropologie eröffnet. Zentrale Bezugspunkte jeder, auch der westlichen, Zivilisation des Interpreten sind dabei die Begriffe Institution - Bild - Gesetz/Verbot.
Die Tagung versteht sich (auch) als eine Hommage an Pierre Legendre, der selber anwesend sein wird. Vortragssprachen sind Deutsch/Französisch/Englisch. Es ist eine Deutsch-Französische Simultanübersetzung der Vorträge und Diskussionen vorgesehen. |
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